Musikalische Grüße aus`m Pfälzerwald

 

Der Verein - 96 Jahre musikalische Tradition in Hauenstein!

"Unter allgemeiner Zustimmung wurde die Gründung eines Musikvereins am gleichen Abend beschlossen und ihm der Name Musikverein Hauenstein gegeben.", so das Protokoll vom 28. Februar 1925.


Man muss sich in die 1920er Jahre zurück versetzen, wo Radios Magelware waren, Fernseher noch eine Utopie und höchsten Spieluhren oder ein Grammophon im Wirtshaus zu finden war. In dieser Zeit waren Musikkapellen hoch angesehen, ein Aushängeschild für jede Ortschaft und zugleich ein Lichtblick für die Menschen in der noch jungen und von den Folgen des 1. Weltkrieges gezeichneten Weimarer Republik. Für Hauenstein, einem Dorf mit damals 2000 Einwohnern, war es bedrückend aber auch beschämend, keine eigene Musikkapelle zu haben, zumal uns viele kleinere Gemeinden der Umgebung in diesem Punkt weit voraus waren. Nach vielen Vorbesprechungen und Fühlungnahmen mit interessierten Kreisen, luden der damalige Gemeinde-Inspektor Julius Maginot und August Seibel sen. für Samstag, den 28. Februar 1925, in das Nebenzimmer des Gasthauses "Pfälzer Hof", zur Gründung eines Musikvereins ein. Dankbar muss erwähnt werden, dass der H.H. Prälat Georg Sommer seinerzeit eifriger Befürworter und Förderer des Musikvereins war und es nicht zuletzt auf seine Initiative zurückging, dass es folglich zur Gründung kam. Der Einladung folgten 54 Personen, die alle ihren sofortigen Beitritt in den am gleichen Abend geründeten Musikverein Hauenstein erklärten. Zum 1. Vorsitzenden wurden Julius Maginot, zum 2. Vorsitzenden August Seibel sen., zum Schriftführer Anton Morio und zum Kassierer Alois Schwarmüller I gewählt. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 0,50 Goldmark pro Vierteljahr festgesetzt. Die ersten Proben fanden in einem Saal des Eichendorffschulhauses statt.

Gleich nach der Gründung wurden in Landau i.d. Pfalz die ersten Instrumente bestellt. Die damaligen Anschaffungskosten von fast 2.800 Goldmark wurden durch Spenden und Darlehen aufgebracht. 16 Männer wurden ausgebildet und schon im Mai folgte der erste Auftritt, dann zehn weitere. Im gleichen Jahr formierte sich im MVH eine Streich-  und eine Jazzkapelle.

Am 09. Mai 1925 genehmigte die Generalversammlung einstimmig die Vereinssatzung. Der §1 lautete: "Der Zweck des Vereins ist a.) Pflege und Hebung der Musik (Blas- und Streichinstrumente), b.) Gesellige Unterhaltung."

Im Gründungsjahr 1925 spielte die Musikkapelle an Christi Himmelfahrt (13.5.1925) den ersten Weckruf vom Kreuzfelsen, einer Tradition der heute noch nachgekommen wird, sowie an Fronleichnam (3.6.1925) bei der Prozession und dem Waldfest, bei der Fahnenweihe mit Waldfest des Kath. Arbeitervereins (02.08.1925), beim Sportfest des Sport-Club Hauenstein (23.08.1925), bei der Kirchweih 1925 sogar mit zwei Kapellen in zwei Sälen. Ferner beim Vereinsball (08.11.1925) und einem Festbankett des Turnvereins Hauenstein (15.11.1925). Bis zum Ende des Jahres 1925 stieg die Mitgliederzahl rasant an, was für die große Sehnsucht und Akzeptanz des Muskvereins sprach. Fortan schaltete sich der Musikverein in das kulturelle Leben in Hauenstein ein. Am 16.01.1926 wurde der "1. Bunte Abend" veranstaltet. Ein weiterer Unterhaltungsabend am 23.01.1927 musste wegen hoher Nachfrage sogar am 30.01.1927 wiederholt werden. Der Reinerlös der Wiederholungsvorstellung wurde für den Neubau der Christkönigkirche in Hauenstein gespendet.

Im März 1928 wurden die Musiker erstmals uniformiert: Blaue Uniformen, goldglänzende Knöpfe und eine Schirmmütze zierten fortan den Hauensteiner Musiker und boten ein adrettes und schmuckes Erscheinungsbild. Eine komplette Uniform kostete damals 45 Reichsmark, die vom Verein ausgelegt und vom Musiker mit 50 Pfennig pro Woche abbezahlt wurde.

Am 22.07.1928 wurde das erste Musikfest in Hauenstein veranstaltet. Mehrere auswärtige Kapellen (Müchweiler, Erfweiler, Bruchweiler und Busenberg) nahmen daran teil. Der Höhepunkt war der sogenannte "Massenchor", als 70 Bläser aller Vereine gemeinsam mit der Festgesellschaft lautstark das "Deutschland-Lied" erklingen ließen.

Die Blütezeit wurde vom Dritten Reich unterbrochen. Die Mitglieder schwanden und das Übungslokal wurde 1938 beschlagnahmt.

Am 07.10.1950 gründete sich der Verein  auf Initiative ehemaliger Vereinsmitglieder wieder. Das Jahr 1951 stand im Zeichen des Wiederaufbaus, aktiver Vereinsarbeit und Mitgliederwerbung. Dabei wurden alte Kontakte zu benachbarten Vereinen wieder aufgebaut und die während des Krieges "verwaisten & verschollenen" Musikinstrumente wurden in mühseliger Arbeit wieder herbeigeschafft.

Auszug aus dem Protokollbuch des MVH vom 02.02.1952: "Die anfänglich nervenpeitschenden Töne, die in den ersten Wochen des Wiederaufstehens aus dem Saale "Zum Ochsen" den Vorbeigehenden zu den Ohren klangen, waren allmählich harmonischer und voller geworden. Noch steht eine harte Arbeit bevor. Besonders die jungen Musiker wissen noch nicht sicher die Töne zu treffen. Der neue Dirigent Sternjakob hat das Zeug dazu, ihnen den rechten Schliff beizubringen."

Am 15. Mai 1952 stieg das erste Konzert in der Turnhalle Hauenstein: "Die Turnhalle war gerammelt voll. So viele Menschen hatte man nicht erwartet. Es war ein voller Erfolg." Bei dem Märchenfest am 27.07.1952 in Dahn wirkte ebenfalls der MVH mit. Mit dem Stiftungsfest des Muskverein Hauenstein am 16./17.08.1952, welches mit einem großen Festzelt am Needing begangen wurde, war der Muskverein Hauenstein wieder vollständig zurück auf der kulturellen Bühne der Region.

Aus dem Protokollbuch vom 17.08.1952 den Musikverein Hauenstein: "Überraschend schnell hat sich aus der Blaskapelle eine Tanzkapelle entwickelt. Zwar spielte sie nur leichte Stücke, aber diese sind alle gefällig im Gehör. Ein bemerkenswerter Erfolg".

Den Zeichen der Zeit entsprechend und von Nachwuchssorgen begleite gründete der Musikverein Hauenstein im Jahre 1958 parallel zum Blas- und Streichorchetser die Tanzkapelle "Roxy", die ihr Debüt am 27.04.1958 feierte.  Im Jahre 1960 nahm das Orchester mit 12 Aktiven und 3 Zöglingen an einem Wertungspiel in Neustadt a.d. Haardt teil, um den aktuellen Leistungs- und Ausbildungsstand im dirketen Vergleich zu ermitteln - "Beachtlich GUT" lautete das fachmännische Urteil, doch die Nachwuchssorgen bleiben: "Von den jungen Anlernlingen halten es 90 Prozent 4-8 Wochen aus, dann geht es los: für was sollen wir uns anstrengen und üben (...)" aus dem Protokollbuch im Jahre 1961. Resigniert und auf die Nöte hinweisend heißt es weiter: "Unseren nachkommenden Vereinführern möge es leichter sein den Musikverein Hauenstein e.V. 1925 zu leiten und, als vollwertigen Klangkörper, unserer Gemeinde zu erhalten".

Mit dem Heimat-Musikfest Hauenstein am Bildstöckel vom 14.-16.07. 1962 an dem neben dem Muskverein der MGV Hauenstein, der Mandolinen-Club "Libelle" Wilgartswiesen, Kolpingkapelle Waldfischbach, die Speilmannszüge Billigheim und Leimen, Blaskapelle Münchweiler/ Rod., und der Mandolinenclub "Almenrausch" Völkersweiler teilnahmen, gelang ein voller Erolg. An allen Festtagen war das große Festzelt bis auf den letzten Platz voll und der Musikverein wurde wieder interessant für die Jugend.

Auf Initiative des 1. Vorsitzenden Lorber wurde im September 1962 ein Heimatfilm in Hauenstein gedreht. Alle einheimischen Vereine, mit Ausnahme des Turnvereins, beteiligten sich an der Aktion und traten zum Film an. Am 12.11.1962 wurde der Film im Saale "Zum Ochsen" uraufgeführt; nachmittags 3 Vorstellungen für Kinder und abends 2 Vorstellungen für Erwachsene.

Bei einem weiteren Wertungsspiel am 25.03.1965 in Otterbach erreichte der Musikverein Hauenstein trotz schwächster Besetzung das Ergebnis "SEHR GUT"!

Die späten 1960er Jahre und die 1970er standen ganz im Sinne der "Lebendigen deutsch-französischen Freundschaft", insbesondere zwischen Hauenstein und der in Burgund gelegenen Stadt Chauffailles. Der Muskverein Hauenstein trug wesentlich zur offiziell feierlich am 04. September 1970 vollzogenen Partnerschaft bei. Nach einem ersten Auftritt des Musikvereins "Reveillon" Chauffailles im Juni 1965 in Hauenstein machte der Hauensteiner Musikverein über die Pfingstfeiertage 1966 einen musikalischen Gegenbesuch in Chauffailles und wurde dort begeistert aufgenommen.

Im Juli 1968, anlässlich des großen Musikfestes in Hauenstein, reiste der Musikverein Reveillon mit 80 Musikern an, was der Grundstein war, dass die Freundschaft nun auch offziell am 06.09.1970 durch den Gemeinderat besiegelt wurde. Mitte der 70er Jahre gelang es dem Muskverein seine Jugendarbeit zu intensivieren und den MVH für die Zukunft gut aufzustellen, so gelang 1975 die erstaunlich gute Quote von 17 neuen Jungmusikern ins Vereinleben zu integrieren. Prägend war das Jahr 1979, als der Musikverein in der "5. Jahreszeit" besonders aktiv war, aber vorallem die Organisation der Eröffnungsfeier des neues Rathausplatzes am 02.06.1979 überam. Aus diesem Ereignis entstand das legendäre Rathausplatzfest. Aber auch medial fasste der MVH abermals Fuß, als er am 05.06.1979  für den Südwestfunk, heute SWR, für die Sendung "Hallo, Ü-Wagen" musizierte.

Die 1980er Jahre läutete der Musikverein am 2./3.8.1980 mit dem Mega-Event "Wasgau-Musikfest" in Hauenstein ein, bei welchem 12 Kapellen spielen, darunter auch die Orchester aus Chaufailles und Hüttlingen.

Der Musikverein Hauenstein 1982

Am 16.01.1981 endete jedoch eine eine Ära - unser Dirigent Alfons Sternjakob gab aus gesundheitlichen Gründen, nach 30 Jahren, den Taktstock weiter an seinen Nachfolger Kurt Hoffmann. Am 06.-08.06.1981 wurde in Chauffailles das 10 jährige Freundschaftsjubiläum begangen und gefühlt halb Hauenstein wahr dabei. Mit dem Herbst- und Adventskonzert wurden zum Jahresausklang 1981 seitens des Dirigenten Hoffmann neue bis heute andauernde Veranstaltungen geschaffen. Am 05.06.1983 erreichte der MVH bei einem Wertungsmusizieren in Wörth am Rhein die absolute Bestnote "SER GUT". Auch in der Tourismuswerbung machte sich der MVH in dieser Zeit einen unverzichtbaren Namen, so wurden im Jahre 1985 für den "Verkehrsverein Hauenstein" Werbefahrten nach Duisburg, Münster und Ibbenbühren gestaltet, die den Menschen dort die pfälzer Lebensart näherbringen und diese zum Urlaub in Hauenstein motivieren sollte. Am 01.10.1988 war der MVH abermals für den Südwestfunk aktiv und es gelang in der Sendung "Wir bei euch" die angekündigten Stargäste regelrecht "unter den Tisch" zu spielen. Auch gelang es uns im Sommer 1988 mit der Kapelle "Zolver Bleiser" aus Luxemburg neue Freundschaften zu schließen, was bei einem Konzert im August 1988 im Altwiesenpark auch für jeden hörbar war. Die Feierlichkeiten zur 20-jährigen Städtepartnschaft in Chauffailles fanden 1989 ihren Höhepunkt mit dem freundschaftlichen "Musikerwettstreit", den der MVH für sich entscheiden konnte.

So wie Ende der 1980er / Anfang der 1990er Jahre die gesamte Welt im Wandel war, so war es auch der Muskverein Hauenstein. Mehre Dirigentenwechsel und neue Nachwuchssorgen veranlassten den Verein zum Handeln, um auch mit Blick aufs neue Jahrtausend, einsatzbereit zu sein. Mit den Feierlichkeiten zum 65-jährigen Jubiläum in der ausverkaufen "Jubo-Ranch" fand das Jahr 1990 für den MVH seinen Höhepunkt. Bedingt durch den Golfkrieg in Kuwait und dem Irak fielen sämtliche Faschingsveranstaltungen 1991 aus, aber der MVH nutzte die Zeit um die Jugendarbeit weiter zu forcieren und mit der Jugendwerbungsinitiative `91 gelang es auf einen Schlag 20 Jungmusiker zu gewinnen und deren Ausbildung in professionelle Hände an der Kreismusikschule zu legen.

Jungmusiker Jahrgang 1991

Auch im Jahre 1993 fruchtete die Jugendwerbungsinitiative, so dass der MVH neben dem Haupt- auch ein schlagkräftiges Jugendorchester auffahren konnte. Am 12.08.1994 wurden im Rahmen des Rathausplatzfestes 19 Jungmusiker/-innen für ihre bestandene D1-Musikprüfung geehrt - der Lohn professioneller Vereinsarbeit, geschuldet auch der hervorragenden Arbeit des damaligen Jugendleiters Boris Keiser.

D1 Ehrungen 1994

Am 05.10.1992 übernahm Gerald Lambert (verstorben 2016) als 25-jähriger studierter Klarinettist den Taktstock des Musikverein Hauenstein und er sollte die positive Entwicklung des MVH die nächsten 24 Jahre maßgeblich prägen und die Weiterentwicklung des Vereins forcieren. Durch ihn und seine profrssionelle und zielgerichtete Arbeit, aber auch in seiner Funktion als "Spiritus rector" hat der Musikverein neue Musikwelten und Facetten der Musik für sich entdeckt.

Der Muskverein Hauenstein in Paris 2011

Sein unerwarteter Tod im Jahre 2016 hinterließ tiefe Trauer und Wunden im Verein. Die musikalische aber auch menschliche Lücke die Gerald Lambert im Verein hinterließ konnte erst knapp zwei Jahre später annähernd geschlossen werden, denn seit März 2018 haben wir die Ehre unter dem Dirigat von Markus Rebehn unser musikalisches Potenzial stetig erweitern zu können und somit über uns selbst hinaus zu wachsen.

Dirigent Markus Rebehn

Heute im Jahre 2021 zählt unser Orchester 47 Frauen und Männer zwischen 10 und 80 Jahren und ist fester Bestandteil der Hauensteiner Kultur, aber auch innerhalb des Landkreises Südwestpfalz und darüber hinaus stets ein verlässlicher kultureller Partner und musikalischer Botschafter. Unsere sehr vielfätige musikalische Bandbreite erstreckt sich von klassischer, volkstümlicher und kirchlicher Blasmusik, über Film-, Rock- und Musicalhits bis hin zu Jazz-, Swing- und Jive-Evergreens. Neben dem Hauptorchester verfügt unser Verein über ein Jugendorchester in dem zum einen musikinteressierte Neulinge, aber auch Wiedereinsteiger optimale Rahmenbedingen vorfinden, um ein Instrument neu oder wieder zu erlernen.

Der Musikverein Hauenstein 2019

Unsere Jungmusiker werden über die Kreismusikschule Südwestpfalz sowie von Musikern unseres Vereins ausgebildet. Außerdem sind wir als Musikverein sehr froh und glücklich darüber, dass wir stets auf die Expertise und Unterstützung von Profimusikern aus allen Genres` und Instrumentengruppen bauen können.

Neujahrskonzert 2020

Neben kirchlichen Auftritten spielen wir immer wieder bei unseren Musikfreunden zu Festen, Jubiläen und Konzerten. Zum Jahreswechsel, ist es nach kurzer Zeit schon fast zur Tradition geworden, mit einem Neujahrskonzert die Bevölkerung, sowie Freunde und Gönner unseres Vereins zu begeistern und das neue Jahr standesgemäß positiv zu beginnen.

Weihnachtskonzert 2019

Zu unseren "Klassikern" und "Kult-Auftritten" gehören der "Weckruf vom Kreuzfelsen (seit 1925!)" an Christi Himmelfahrt, das taditionelle Waldfest zu Fronleichnam, sowie während der Weichnachtszeit die Hirtenmesse und seit ein paar Jahren das Weihnachkonzert in der "Alten Kirche".

Während der Corona-Krise hat der Musikverein es sich zur Aufgabe gemacht kulturelle Zeichen der Hoffnung zu setzen und musikalisch für seine Zuhörer im Dorf präsent zu sein. Mit der hygiene- und auflagenkonformen Musikreihe "Musik quer durchs Dorf", dem tradionellen Weckruf vom Kreuzfelsen und einer Adventsausgabe von "Musik quer durchs Dorf" hat man es geschafft ein wenig mehr Freude und Normalität in die Herzen der Menschen zu spielen:


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Weckruf zu Christihimmelfahrt 2021